Ich will helfen!


Geschichte

Auszug aus der 75-Jahr-Broschüre

...Ein Mann ergriff 1930 die Initiative. Er hiess Theodor Koller und war Frauenarzt an der Kantonalen Universitätsfrauenklinik in Zürich. Mit zunehmender Sorge beobachtete er die ansteigende Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen und deren Folgen. Häufig waren es unverheiratete Frauen, die ungewollt schwanger wurden – in der damaligen Zeit bis weit in die 50er- und 60er-Jahre hinein eine Katastrophe.

Ledige Mütter waren aber nicht nur sozial geächtet, sondern stammten mehrheitlich aus armen Familien. Um ihrem Unglück zu entkommen und weil ein Schwangerschaftsabbruch nur bei einer sehr streng ausgelegten medizinischen Indikation erlaubt war, suchten sie häufig Hilfe bei Kurpfuscherinnen. Diese sogenannten Engelsmacherinnen nahmen Abbrüche mit lebensgefährlichen Mitteln vor. Es ist zu vermuten, dass nicht wenige Frauen nach einem solchen stümperhaften Eingriff wegen gesundheitlicher Komplikationen von Doktor Koller behandelt wurden.

 Auf jeden Fall war der Arzt entschlossen, etwas gegen diese Misere zu unternehmen. Ihm schwebte eine Beratungsstelle für Schwangere vor, wo sich die Frauen aussprechen und Hilfe holen könnten. Denn Kollers Ziel war es nicht, „«die schwierige Situation, in welcher sich eine Schwangere befindet, dadurch zu lösen, dass man die Schwangerschaft unterbricht“, wie er in seinem Brief an die Zürcher Frauenzentrale schrieb. Er setzte auf Fürsorge und Beratung in der Überzeugung, dass damit in vielen Fällen ein Abbruch vermeidbar sein würde.

 Adressatin von Kollers Vorschlag war die Zürcher Frauenzentrale, der damalige Dachverband aller Zürcher Frauenvereine. Wer weiss, vielleicht war sein schriftlicher Ausruf: „Es ist doch nicht möglich, dass Ihr Frauen nichts für diese armen Frauen tun könnt!“, ausschlaggebend gewesen, dass die Damen umgehend aktiv wurden. Nach einigem Hin und Her gründeten sie im Herbst 1931 die vorbereitende Kommission „Mütterhilfe“. Ihr gehörten neben Vertreterinnen der Frauenzentrale und der Frauenvereine drei Mitglieder der ärztlichen Bezirksvereinigung an. Und natürlich Ideengeber Koller.

 Die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und sozial engagierten Frauen war insofern wichtig, als die Spitäler für Schwangere, die eine Abtreibung wünschten, nichts tun konnten. Und bereits bestehende private Organisationen wie der „Verein für Mütter-Säuglingsschutz“ oder das „Mütter- und Säuglingsheim Inselhof“ kümmerten sich erst dann um die Frauen, wenn die Entscheidung Kind ja oder nein bereits gefallen war. So lagen die Aufgaben der neu zu gründenden Einrichtung auf der Hand: bedrängten schwangeren Frauen Gehör geben, ihnen seelisch, aber auch finanziell beistehen.

 Diese Ideen waren ohne Geld nicht umzusetzen. Im Spätsommer 1932 bittet die vorbereitende Kommission den Stadtrat um eine jährliche Subvention von 6000 Franken. Mit dieser Summe wollte der inzwischen gegründete Verein „Mütterhilfe“ ein Sekretariat einrichten. Der Stadtrat sagte Subventionen ab 1. Januar 1933 zu. Ausserdem machte die Pro Juventute eine grosszügige Schenkung, so dass nun ein geeignetes Lokal gesucht werden konnte. Bereits am 1. Oktober 1932 nahm die „Zürcher Schwangerenberatungsstelle“ des Vereins „Mütterhilfe“ in einem Neubau an der Badenerstrasse, beim Stauffacher, ihre Arbeit auf – dort,  wo die Mütterhilfe noch heute zu finden ist...

 Die ausführliche 75-Jahr-Broschüre können Sie bei uns unter Infothek-Publikationen bestellen